Forschung
Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der anwendungsorientierten Biowissenschaften sowie die historisch informierte Innovationsforschung.
Aktuelles Projekt
Biomorphe Technik und technomorphe Natur. Zur Geschichte der Bionik in der Bundesrepublik Deutschland und den USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Zu den kontroversen Themen der Gegenwart gehört die problematisch gewordene Unterscheidung artifizieller Technik und belebter Natur. Sie ist zwar kein neues Phänomen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sie durch die systematische Vernetzung der Bio- und Ingenieurwissenschaften jedoch eine neue Dynamik erlangt.
Das Forschungsvorhaben untersucht diese Entwicklung am Beispiel der Geschichte der Bionik und im Vergleich der Bundesrepublik Deutschland mit den USA. Die Bionik, deren Wurzeln in der Militärforschung des Kalten Krieges liegen, verfolgt die Übertragung biologischer Prinzipien auf die Technik. Sie steht für eine epistemische Kultur, in der sich technomorphe Natur- und biomorphe Technikkonstruktion wechselseitig bedingen. Gefragt wird zum einen nach den konkreten Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen dieser Kultur und ihren Strategien der Gegenstandskonstruktion, zum anderen nach den mit der Bionik verbundenen Natur- und Technikvorstellungen, die markante Unterschiede zwischen den USA und der Bundesrepublik aufweisen.
Das Forschungsvorhaben will damit sowohl einen Beitrag zur Geschichte der Technikwissenschaften leisten als auch eine historisch fundierte und empirisch gesicherte Perspektive für die aktuelle Debatte um die Unterscheidung von artifizieller Technik und belebter Natur entwickeln. Gefördert wird das Projekt von der DFG.
Abgeschlossene Projekte
Pasteurs Quadrant und die deutschen Biowissenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Donald E. Stokes hat mit der Metapher "Pasteurs Quadrant" eine Wissenschaftsform umschrieben, die grundlegende Fragestellungen mit hohem Anwendungspotential verfolgt. Das Projekt untersuchte am Beispiel der molekularen Genetik die Herausbildung von Pasteurs Quadrant in der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ziel war es, die Öffnung der biologischen Grundlagenforschung für kommerziell interessante Anwendungen und ihre Bedeutung für die Biowissenschaften zu analysieren. Das Forschungsprojekt war Teil des DFG-Schwerpunktprogramms 1143 "Wissenschaft, Politik und Gesellschaft".
Pfadabhängigkeiten im deutschen Innovationssystem
Das Projekt untersuchte am Beispiel der zivilen Kerntechnik, der Rechnerentwicklung und der Biotechnologie Pfadabhängigkeiten im westdeutschen Innovationssystem. Im Zentrum stand die Frage, wie durch das Interagieren von Industrie, Hochschule und Staat Pfadabhängigkeiten begründet, fortgeschrieben und durch neue ersetzt wurden und welche Handlungsoptionen sich dabei für die staatliche Forschungs- und Technologiepolitik ergaben. Den Rahmen für dieses Projekt bildete der vom BMBF finanzierte Forschungsverbund "Innovationskultur in Deutschland".
Wissenschaftliche Pflanzenzüchtung in Deutschland, 1889-1945
Thema des Dissertationsprojekts war die Herausbildung der wissenschaftlichen Pflanzenzüchtung in Deutschland. Dabei ging es um die Frage, wie aus einer landwirtschaftlichen Praktik eine ihrem Selbstverständnis nach angewandte Wissenschaft wurde, die nicht nur einen Führungsanspruch bei der Entwicklung neuer Zuchtverfahren und Zuchtsorten für sich behauptete, sondern auch bereitwillig politische Ziele des Nationalsozialismus unterstützte. Das Projekt zielte damit auf die hier eng aufeinander bezogenen Themenkomplexe "Verwissenschaftlichung von Technik" und "Politisierung von Wissenschaft".
