Forschung

Forschungsbereiche: Geschichte der Medizin, Wissenschaft und Technik, Globalgeschichte, Geschichte des europäischen Kolonialismus und der Dekolonisation, Umweltgeschichte

Forschungsprojekt: Of Flies and Men: Global Insect Vector Control Regimes, 1960s-1980s
In den 1970er Jahren begannen internationale Organisationen wie die UN, die WHO und die Weltbank kombinierte Umwelt- und Gesundheitsprogramme für den entstehenden „globalen Süden“ zu entwerfen. Ziel dieser großangelegten Interventionen war es, Maßnahmen zu entwickeln, die insbesondere umweltbedingte Infektionskrankheiten dauerhaft eindämmen würden. Die Studie analysiert Programme, die auf durch Vektoren übertragene Infektionskrankheiten wie Malaria, Schwarzwasserfieber oder Flussblindheit zielten und widmet sich insbesondere der Entwicklung der Programme sowie ihrer Implementierung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen des Globalen Südens verwertet wurden und welche neuen oder modifizierten Praktiken durch diesen Erfahrungsaustausch zur Anwendung kamen. Wie beeinflussten etwa Erkenntnisse aus Kenia die River Blindness Control-Programme in Mexiko? Welchen Einfluss hatten NGOs und der entstehende Ökologismus beispielsweise auf den Pestizideinsatz der Programme?

Europa und die Schlafkrankheit. Koloniale Seuchenbekämpfung, europäische Identitäten und moderne Medizin 1890-1950
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwüsteten Epidemien der Schlafkrankheit weite Teile der europäischen Kolonialgebiete in Afrika. Diese akute Krise in den Krankheitsgebieten setzte eine ganze Reihe von Entwicklungen in Gang, deren Reichweite sich keineswegs auf den afrikanischen Kontinent beschränkte. Während in den Kolonien Zwangsuntersuchungen und -behandlungen der afrikanischen Bevölkerung eingeführt, Verkehrswege kontrolliert und ganze Landstriche evakuiert und umgestaltet wurden, formierte sich in Europa die Tropenmedizin als avantgardistisches Projekt an einer Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Stellte die Konfrontation mit der Krankheit die Kolonialmächte zwar vor massive Schwierigkeiten, so öffnete sie gleichzeitig ein koloniales Experimentierfeld für Biomedizin, Pharma-Industrie und Administrationen. Die Studie beschreibt die Entstehung dieses neuen Forschungs- und Interventionsfeldes als eine europäische Verflechtungsgeschichte. Was sagen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit über die imperiale Prägung moderner Biomedizin? Welche Dynamiken kolonialer Herrschaft und internationaler Politik lassen sich an ihnen ablesen? Anhand dieser Fragen öffnet die Studie das Thema nicht nur für medizinhistorische Zugriffe, sondern auch für aktuelle Fragen der Global- und Zeitgeschichte.
Europa und die Schlafkrankheit. Koloniale Seuchenbekämpfung, europäische Identitäten und moderne Medizin 1890-1950, Göttingen 2018: Vandenhoeck & Ruprecht (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft).