Wintersemester 2017/2018

Ringvorlesung: Vom Wissen zur Gewissheit: Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft

Zeit: Donnerstags, 17.15 ct - 18.45 Uhr, Termine s.u.

Ort: Hörsaal 605, Marsstr. 20-22, München

Dozenten: Prof. Karin Zachmann und Gastdozenten

Die Lehrveranstaltung ist ein Produkt der Zusammenarbeit in der interdisziplinären Forschungsgruppe „Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft“ und richtet sich sowohl an Studierende als auch an die interessierte Fachöffentlichkeit.

Evidenz und damit gesichertes Wissen wird für politische, gesellschaftliche und individuelle Entscheidungen immer wichtiger, auch wenn dieser Tage vermehrt von einem drohenden „postfaktischem Zeitalter“ die Rede ist. Evidenz basiert auf wissenschaftlich erhobenen Daten, ist aber auch ein soziales Phänomen. Da Evidenz ein Thema ist, das viele verschiedene Bereiche angeht, ist die Lehrveranstaltung interdisziplinär ausgerichtet. Die Vorlesung und das Seminar kombinieren dazu Perspektiven aus der Technikgeschichte, der Praktischen Philosophie, der Wissenschaftssoziologie, der Medizingeschichte und -ethik, der Marketing und Konsumforschung, sowie der Wissenschafts- und Umweltgeschichte. Die Ringvorlesung wird von wechselnden Dozent/innen gehalten, die jeweils Einblicke in ihre Fachbereiche geben. Das Blockseminar vertieft die in den Vorlesungen aufgeworfenen Fragen. In vergleichender Perspektive wird diskutiert, wie und von wem Evidenz hergestellt wird, wie sie verwendet wird und welche Auswirkungen das hat.

Die Vorlesung erfordert keine spezifischen Vorkenntnisse.

Website der DFG Forschergruppe

Termine und Gastdozenten:

09.11.2017: How safe is safe enough?“ Evidenzpraktiken technischer Sicherheit in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung
Prof. Karin Zachmann, Dr. Stefan Esselborn

16.11.2017: Experten und Laien 2.0 – Wissenschaft im Kontext digitaler Partizipation
Prof. Sascha Dickel, Andreas Wenninger

23.11.2017: Mediengeschichten und Evidenz
Prof. Helena Bilandzic, Prof. Susanne Kinnebrock

30.11.2017: Lebensmittelsicherheit im Spannungsfeld zwischen Risikoanalyse und Intuition
Prof. Jutta Roosen & Christine Haßauer

07.12.2017: Redefining Medical Evidence in the 4P Era
Prof. Mariacarla Gadebusch Bondio, Dr. Tommaso Bruni

14.12.2017 : Wer definiert das Anthropozän? Evidenzpraktiken in den Debatten um das Menschenzeitalter
Prof. Helmuth Trischler, Fabienne Will

11.01.2018: Evidenz als Wert und Wertung. Eine wissenschaftsphilosophische Reflexion
Prof. Elif Özmen

18.01.2018: Was ist Exzellenz? Zu den Evidenzgrundlagen wissenschaftlicher Qualität
Prof. Ruth Müller

Modul: Geschichte und Theorie der Dinge

Einführung: 18.10.2017, 13.00 – 14.30 Uhr

Zeit:
Blockseminar: 15.11.2017, 22.11.2017, 29.11.2017, 10.01.2018, 17.01.2018, jeweils 09.00 - 16.00 Uhr und Besuch der Ringvorlesung „Vom Wissen zur Gewissheit. Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft“ am 9.11.2017, 16.11.2017, 23.11.2017, 30.11.2017, 7.12.2017, 14.12.2017, 11.1.2018, 18.1.2018, jeweils 17.15 - 18.45 Uhr

Ort:
Blockseminar: Deutsches Museum, Bibliotheksgebäude, alter Seminarraum
Ringvorlesung: Hörsaal 605, Marsstr. 20-22, München

Credits: 6cp, 4 SWS  

Dozentin: Prof. Karin Zachmann und Gastdozenten in Ringvorlesung

Wir leben in einer Welt, in der immer mehr Dinge die Welt „bevölkern.“ Menschen haben diese Dinge hergestellt, damit sie ihren Zwecken dienen, die Wahrnehmung erleichtern, Erkenntnisse ermöglichen, das Leben verbessern, soziale Hierarchien repräsentieren, kulturelle Unterschiede stabilisieren, als rituelle Attribute funktionieren, aber auch um Entscheidungen zu erzwingen oder alternatives Handeln zumindest einzuschränken. Dass die Dinge, obwohl sie das Ergebnis menschlicher Absichten sind, durchaus eine eigene Dynamik entfalten und ihrerseits menschliches Handeln bestimmen, hat Bruno Latour zu der Forderung nach einem Parlament der Dinge inspiriert. Mihaly Csikszentmihalyi warnt sogar, dass wir Gefahr laufen, uns den Dingen auszuliefern, wenn wir uns nicht um ein besseres Verständnis der Dinge bemühen. Ausgehend vom polyvalenten Charakter der Dinge wird es in diesem Lehrmodul einerseits darum gehen, in verschiedene theoretische Ansätze zur Analyse der uns umgebenden dinglichen Welt einzuführen, die sich zum sogenannten „material turn“ der Geisteswissenschaften verdichtet haben.  Zum anderen wird anhand von konkreten Objektstudien untersucht, wie Dinge mit Bedeutung aufgeladen werden und Handlungsmacht gewinnen.  

Lernziele:

Nach der Teilnahme an dem Modul sind die Studierenden in der Lage:

  1. einen reflektierten Dingbegriff anzuwenden
  2. natürliche, epistemische, technische und künstlerische Dinge in ihren Entstehungskontexten zu verstehen
  3. Gestaltung und Aneignung von Dingen als Bedeutungsproduktion zu analysieren
  4. kulturelle Biographien von Dingen zu entwickeln  

Die Lehrveranstaltung erfordert keine besonderen Vorkenntnisse.

Prüfungsform: Präsentation und Hausarbeit

Anmeldung zur Lehrveranstaltung (ab 18.09.2017) und zur Prüfung auf TUMonline (www.campus.tum.de).

Semesterplan, Skripte und Texte sind nach Anmeldung auf Moodle zu finden.

Vorlesung: Technik - Natur - Gesellschaft

Zeit: Montag, 12.30 – 14.00 Uhr, Beginn: 16.10.2017

Ort: WZW HS 14

Credits: 3cp, 2 SWS

Dozentin: Prof. Karin Zachmann

Wir leben in einer Zeit, in der die Technik nicht mehr als abgegrenztes Subsystem, sondern vielmehr als Superstruktur der Gesellschaft und des Lebens erfahren wird, die all ihre Existenz- und Erscheinungsformen durchdringt. Noch unlängst vorherrschende Vorstellungen von einer strikten Trennung zwischen Technik und Natur bzw. zwischen Technischem und Lebendigen sind obsolet geworden. Eine Vielzahl von Lebensprozessen läuft technisch vermittelt ab (Wachstum, Vermehrung, Bewegung, Tod, Ernährung usw.) und Entwicklungen wie die der Gentechnik zeugen davon, dass die Natur selbst in einen Zustand der technischen Reproduzierbarkeit überführt worden ist. In der Vorlesung werden die gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse zum Verhältnis von Technik, Natur und Gesellschaft im historischen Kontext analysiert und es wird darüber diskutiert, welche Konsequenzen die kulturspezifischen Grenzziehungen und Grenzauflösungen für die Spielräume menschlichen Handelns haben.

Literatur: Radkau, Joachim, Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt, München 2002; Sieferle, Rolf Peter, Rückblick auf die Natur. Eine Geschichte des Menschen und seiner Umwelt, München 1997; Edmund Russell, Evolutionary History. Uniting History and Biology to Understand Life on Earth, Cambridge University Press 2011.

Die Lehrveranstaltung erfordert keine besonderen Vorkenntnisse. Es wird ein Skript auf TUM-moodle bereitgestellt.

Leistungsnachweis/Prüfung:

Während des Semesters werden drei schriftliche Aufgaben zu Teilabschnitten der Vorlesung gestellt, die individuell zu bearbeiten sind. Die Termine werden in der ersten Vorlesung bekannt gegeben. Die Aufgabenstellung erfolgt über TUM-moodle. Die Bearbeitungszeit beträgt 7 Tage. Die Prüfungsnote wird aus den Ergebnissen der drei Online-Aufgaben gebildet. Eine Wiederholung in Form einer mündlichen Prüfung ist möglich; Voraussetzung hierfür ist die rechtzeitige Anmeldung und die vorangegangene Beteiligung an allen drei Online-Aufgaben. Bei Nichtbestehen der Wiederholungsprüfung ist das gesamte Modul zu wiederholen.

Anmeldung TUM: zur Lehrveranstaltung (ab 18.09.2017) und zur Prüfung über TUMonline (www.campus.tum.de).

Semesterplan und Skripte sind nach Anmeldung auf Moodle zu finden.

Vorlesung: Geschichte der Technik in der Frühen Neuzeit

Zeit: Di 09:45-11:15 Uhr, Beginn: 17.10.2017

Ort: TUM, Luisenstraße HS 1400

Credits: 3 cp, 2 SWS

Dozentin: Prof. Karin Zachmann

Die grundlegenden Kernprozesse der Frühen Neuzeit, der Beginn der Globalisierung und die Entstehung erster Kolonialreiche, die Durchsetzung einer Medienrevolution und neuer Formen des Wissenserwerbs und Wissenstransfers, die Verdichtung weltumspannender Austauschprozesse, die konfliktgeladene Koexistenz verschiedener Glaubensformen als Auslöser von Migrationsprozessen und die Ausprägung von Territorialstaaten sind untrennbar mit der Entstehung und Ausbreitung neuer Formen von technischem Wissen und Können, technischen Verfahren und Artefakten verbunden. In der Vorlesung werden Technisierungsprozesse und die damit verbundenen Vorstellungen von Technik in verschiedenen ausgewählten Weltregionen behandelt, um ausgehend davon besser zu verstehen, wie sich in konkreten Techniken die Ideen historischer Gesellschaften materialisieren und dabei auch auf die Gesellschaftsentwicklung zurückwirken.

Die Lehrveranstaltung erfordert keine besonderen Vorkenntnisse.

Prüfungsform: Klausur

Geeignet für das Seniorenstudium der LMU

Anmeldung zur Lehrveranstaltung (ab 18.09.2017) und zur Prüfung auf TUMonline (www.campus.tum.de).

Anmeldung LMU: zur Prüfung über das Prüfungsamt der LMU.

Semesterplan und Skripte sind nach Anmeldung auf Moodle zu finden.