Wintersemester 2018/19

Vorlesung: Technik - Natur - Gesellschaft

Zeit: Montag, 12.30 – 14.00 Uhr, Beginn: 15.10.2018

Ort: WZW HS 16

Credits: 3cp, 2 SWS

Dozentin: Prof. Karin Zachmann

Wir leben in einer Zeit, in der die Technik nicht mehr als abgegrenztes Subsystem, sondern vielmehr als Superstruktur der Gesellschaft und des Lebens erfahren wird, die all ihre Existenz- und Erscheinungsformen durchdringt. Noch unlängst vorherrschende Vorstellungen von einer strikten Trennung zwischen Technik und Natur bzw. zwischen Technischem und Lebendigen sind obsolet geworden. Eine Vielzahl von Lebensprozessen läuft technisch vermittelt ab (Wachstum, Vermehrung, Bewegung, Tod, Ernährung usw.) und Entwicklungen wie die der Gentechnik zeugen davon, dass die Natur selbst in einen Zustand der technischen Reproduzierbarkeit überführt worden ist. In der Vorlesung werden die gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse zum Verhältnis von Technik, Natur und Gesellschaft im historischen Kontext analysiert und es wird darüber diskutiert, welche Konsequenzen die kulturspezifischen Grenzziehungen und Grenzauflösungen für die Spielräume menschlichen Handelns haben.

Literatur: Radkau, Joachim, Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt, München 2002; Sieferle, Rolf Peter, Rückblick auf die Natur. Eine Geschichte des Menschen und seiner Umwelt, München 1997; Edmund Russell, Evolutionary History. Uniting History and Biology to Understand Life on Earth, Cambridge University Press 2011.

Die Lehrveranstaltung erfordert keine besonderen Vorkenntnisse. Es wird ein Skript auf TUM-moodle bereitgestellt.

Leistungsnachweis/Prüfung: Während des Semesters werden zwei schriftliche Aufgaben zu Teilabschnitten der Vorlesung gestellt, die individuell zu bearbeiten sind. Die Bearbeitungszeit beträgt 7 Tage. Als dritte Aufgabe wird ein Multiple Choice Test durchgeführt. Alle Aufgaben erfolgen semesterbegleitend. Die Termine werden in der ersten Vorlesung bekannt gegeben. Die Aufgabenstellung erfolgt über TUM-moodle. Die Prüfungsnote wird aus den Ergebnissen der drei Aufgaben gebildet. Eine Wiederholung in Form einer mündlichen Prüfung ist möglich; Voraussetzung hierfür ist die rechtzeitige Anmeldung und die vorangegangene Beteiligung an allen drei Aufgaben. Bei Nichtbestehen der Wiederholungsprüfung ist das gesamte Modul zu wiederholen.

Anmeldung TUM: zur Lehrveranstaltung (ab 18.09.2018) und zur Prüfung über TUMonline (www.campus.tum.de).

Vorlesung: Geschichte der Technik in der Moderne 2: Technisierungsprozesse und gesellschaftlicher Wandel im kurzen 20. Jahrhundert

Zeit: Di 09:45-11:15 Uhr, Beginn: 16.10.2018

Ort: TUM, Luisenstraße HS 1400

Credits: 3 cp, 2 SWS

Dozentin: Prof. Karin Zachmann

Im kurzen 20. Jahrhundert, das vom Ersten Weltkrieg als der Urkatastrophe des Jahrhunderts bis zum Ende des Kalten Krieges reicht, setzen sich die grundlegenden gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse des langen 19. Jahrhunderts fort. Neue Länder treten in den Industrialisierungsprozess ein, während in „alten“ Industrieländern der Dienstleistungssektor am schnellsten wächst. Demokratisierungsprozesse prägen sich weiter aus, können sich aber nicht überall durchsetzen oder treffen auf Gegenkräfte, die gewaltförmige Diktaturen errichten. In der Zeit des Kalten Krieges treten die unterschiedlichen Systeme in eine über vier Jahrzehnte andauernde Konfrontation, die globale Auswirkungen auf die Wissens-, Wirtschafts- und Sozialsysteme, aber auch das Ökosystem hat. Mobilisierung und Beschleunigung erreichen eine neue Dynamik auf allen Ebenen der Gesellschaft und treiben ihrerseits zwei Kernprozesse der Modernisierung, die Individualisierung und die Globalisierung kräftig voran. All diese Prozesse sind aufs Engste mit der Entwicklung und Aneignung von Technik verwoben. Diese Zusammenhänge herauszuarbeiten ist das Anliegen der Vorlesung.

Literatur: Joachim Radkau, Technik in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis heute, Frankfurt/M. 2008; Thomas P. Hughes, Die Erfindung Amerikas. Der technologische Aufstieg in den USA seit 1870, München 1991; David Nye, Technology Matters. Questions to Live With. MIT Press 2006; Martina Heßler, Kulturgeschichte der Technik, Frankfurt/M. 2012; Edmund Russell, Evolutionary History. Uniting History and Biology to Understand Life on Earth, Cambridge University Press 2011. Ruth Oldenziel, Karin Zachmann (Hg.), Cold War Kitchen. Americanization, Technology and European Users, MIT Press 2009.

Die Lehrveranstaltung erfordert keine besonderen Vorkenntnisse.

Prüfungsform: Klausur

Geeignet für das Seniorenstudium der LMU Anmeldung zur Lehrveranstaltung (ab 18.09.2018) und zur Prüfung auf TUMonline (www.campus.tum.de).

Seminar: Geschichte und Theorie der Dinge

Einführung am 17.10.2018, 13-14.30 Uhr

Blockveranstaltungen 31.10.; 07.11.; 21.11.; 05.12.; 19.12.; 09.01.; 23.01. jeweils 09.00-17.00 Uhr;

Ort: Deutsches Museum, Bibliotheksgebäude, Alter Seminarraum

Credits: 6cp, 4 SWS

Dozentin: Prof. Karin Zachmann

Wir leben in einer Welt, in der immer mehr Dinge die Welt „bevölkern.“ Menschen haben diese Dinge hergestellt, damit sie ihren Zwecken dienen, die Wahrnehmung erleichtern, Erkenntnisse ermöglichen, das Leben verbessern, soziale Hierarchien repräsentieren, kulturelle Unterschiede stabilisieren, als rituelle Attribute funktionieren, aber auch um Entscheidungen zu erzwingen oder alternatives Handeln zumindest einzuschränken. Dass die Dinge, obwohl sie das Ergebnis menschlicher Absichten sind, durchaus eine eigene Dynamik entfalten und ihrerseits menschliches Handeln bestimmen, hat Bruno Latour zu der Forderung nach einem Parlament der Dinge inspiriert. Mihaly Csikszentmihalyi warnt sogar, dass wir Gefahr laufen, uns den Dingen auszuliefern, wenn wir uns nicht um ein besseres Verständnis der Dinge bemühen. Ausgehend vom polyvalenten Charakter der Dinge wird es in diesem Lehrmodul einerseits darum gehen, in verschiedene theoretische Ansätze zur Analyse der uns umgebenden dinglichen Welt einzuführen, die sich zum sogenannten „material turn“ der Geisteswissenschaften verdichtet haben. Zum anderen wird anhand von konkreten Objektstudien untersucht, wie Dinge mit Bedeutung aufgeladen werden und Handlungsmacht gewinnen.

Lernziele:

Nach der Teilnahme an dem Modul sind die Studierenden in der Lage:

1. einen reflektierten Dingbegriff anzuwenden
2. natürliche, epistemische, technische und künstlerische Dinge in ihren Entstehungskontexten zu verstehen
3. Gestaltung und Aneignung von Dingen als Bedeutungsproduktion zu analysieren
4. kulturelle Biographien von Dingen zu entwickeln

Die Lehrveranstaltung erfordert keine besonderen Vorkenntnisse.

Prüfungsform: Präsentation und Hausarbeit

Oberseminar

Zeit: Montag, 16:00-18:00 Uhr

Ort: Deutsches Museum, oberer Seminarraum (1402).

Das Oberseminar der Technikgeschichte der TUM wird gemeinsam mit dem Forschungsinstitut des Deutschen Museums veranstaltet. Die Sitzungen finden alternierend mit dem Montagskolloquim des Münchner Zentrums für Wissenschafts- und Technikgeschichte statt.

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