Persönlicher Status und Werkzeuge

Drei Forscher mit Mikroskop

Forschung

Arbeitsschwerpunkte sind historische Protest- und Kriminalitätsforschung, Fürsorge- und Wissenschaftsgeschichte.

Aktuelles Projekt

 

„Republic of science“ zwischen Selbstbestimmtheit und gesellschaftlicher Nutzenerwartung. Neuzeitliches Wissenschaftsverständnis – Deutschland im internationalen Vergleich

 

Der Topos der Republik der Wissenschaften verweist seit Beginn der Neuzeit darauf, dass die Wissenschaft als Gemeinschaft mit spezifischer Verfasstheit verstanden wird. Der aktuelle Umbau der nationalen Wissenschaftslandschaften im Zeichen einer stärkeren Anwendungsorientierung weckt nicht nur die Erwartung, dass sich die Wissenschaft zu einem zentralen Motor des ökonomischen Wachstums entwickelt, sondern ebenso die Befürchtung eines Endes der wissenschaftlichen Selbständigkeit. Insbesondere die Öffnung der Universitäten gegenüber der Industrie ist von einem Risikodiskurs begleitet, in dem vor einer Gefährdung grundlegender wissenschaftlicher Funktionsprinzipien gewarnt wird. Die zunehmende Technisierung der Naturwissenschaften erforderte zwar neue institutionelle Arrangements, doch welche Folgen die engere Zusammenarbeit mit der Industrie und der Appell, mehr Forschungsergebnisse zu patentieren, für die Zukunft der Wissenschaft haben wird, ist ungewiss.Schienen unter dem Primat der Grundlagenforschung Ziele, Normen und institutionelle Grenzen der Wissenschaft noch selbstverständlich zu sein, steht nun eine Verständigung darüber aus, was notwendige Basisprinzipien wissenschaftlichen Arbeitens und was zeitspezifische, veränderliche Ausformungen der wissenschaftlichen Autonomie sind.

Dieses geschichtswissenschaftliche Projekt zum neuzeitlichen Wissenschaftsverständnis möchte hierzu einen Diskussionsbeitrag leisten. Mit Fokus auf die Naturwissenschaften nimmt die Studie die Geschichte der wissenschaftlichen Episteme, Institutionen und wissenschaftspolitischen Debatten von der Frühen Neuzeit bis zum Ende des 20. Jahrhundert in den Blick, um die Grundcharakteristika neuzeitlicher Wissenschaft sichtbar zu machen. Das Projekt konzentriert sich schwerpunktmäßig auf Deutschland, bezieht aber auch relevante internationale Entwicklungen – insbesondere in den USA – mit ein. Die Wissenschaft ist dabei in eine breitere Gesellschaftsgeschichte einzuordnen, denn die gesellschaftlichen Nutzererwartungen bestimmten immer schon den äußeren Handlungsrahmen der Republik der Wissenschaften.

Das Forschungsprojekt wird gefördert im Rahmen eines Dilthey-Fellowships der Volkswagenstiftung.