Forschung an der Professur für Technikgeschichte

Past and Present TechnoWorlds

Im Zentrum der Forschungsarbeiten an der Professur für Technikgeschichte an der TUM stehen die Prozesse des Umzugs der Menschen aus dem Biotop ins Technotop. Untersucht werden die epistemischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Bedingungen der Herstellung, des Transfers und der Aneignung von Wissen und Technik in je spezifischen historischen Kontexten.

Dabei wird von einem breiten Wissens- und Technikbegriff ausgegangen, der sowohl Wissensbestände, Handlungsformen, Artefakte und Biofakte umfasst. Die an der Professur bearbeiteten und beantragten Forschungsprojekte werden diesem umfassenden Wissens- und Technikverständnis durch ein breites Themenspektrum gerecht. Ziel ist es, Technisierungsprozesse aus einer reflexiven Perspektive und im Dialog mit den Natur- und Ingenieurwissenschaften zu erforschen, um damit Orientierungswissen für die Gesellschaft bereitzustellen.

 

Laufende Forschungsprojekte

Evidenzpraktiken technischer Sicherheit

Bearbeiter: Dr. Stefan Esselborn, Prof. Dr. Karin Zachmann

Das Projekt untersucht Evidenzpraktiken der technischen Sicherheit im geteilten Deutschland von den 1950er-Jahren bis in die 1980er-Jahre am Beispiel von zwei Technikbereichen, dem Kraftfahrzeugwesen und der Kerntechnik. Als Schlüsseltechnologien des Atom- und Konsumzeitalters trugen diese beiden Bereiche erheblich zur Entwicklung der Vorstellung von ‚Sicherheit‘ als einer zentralen gesellschaftlichen Wertidee bei. Wir gehen davon aus, dass die im Kontext der deutschen Nachkriegsgeschichte und des Kalten Krieges erfolgende Versicherheitlichung von Technikbereichen, d.h. die Identifizierung immer neuer sicherheitsrelevanter Bereiche, mit der Verwissenschaftlichung technischer Sicherheit einherging.

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Die gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse technischer Sicherheit im Automobilverkehr der DDR

Bearbeiter: Johannes Günther

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stehen die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die um die Herstellung und den Nachweis von technischer Sicherheit im Automobilverkehr der DDR von den 1950er bis in die 1980er Jahre geführt wurden. Zentrale Frage dabei ist, wie in der politisch „durchherrschten Gesellschaft“ der DDR Sicherheitskonzepte, -kriterien und -praktiken zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit ausgehandelt worden sind, um akzeptiert und durchsetzbar zu sein. Dabei wird sich das Projekt auf zwei hierfür essentielle Evidenzpraktiken beziehen. Einerseits soll die Bedeutung technischer Prüfverfahren wie Crashtests, Technische Überprüfungen oder (Selbst-)Reparaturen untersucht werden. Andererseits wird der Einfluss der sozialistischen Verkehrserziehung auf die Wissensvermittlung und Aushandlung automobiler Sicherheit in den Fokus rücken.

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Abgeschlossene Projekte

Die Sprache der Biofakte. Semantik und Materialität hochtechnologisch kultivierter Pflanzen

Ziel des vom BMBF geförderten Forschungsverbundes Die Sprache der Biofakte ist es, am Beispiel hochtechnologisch kultivierter Pflanzen ein theoretisches und empirisches Gerüst für die Analyse und das Verständnis von Biofakten als sozio-technischen Objekten in modernen Gesellschaften zu erarbeiten. Damit soll sowohl eine vertiefte Reflexion auf Biofakte als auch ein besseres Verständnis aktueller Konflikte auf dem Agrar- und Ernährungssektor erreicht werden. Als interdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Geschichte, Philosophie, Soziologie und dem Industrial Design umfasst der Forschungsverbund sechs Teilprojekte. Sie sind an der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Braunschweig angesiedelt. Die Professur für Technikgeschichte nimmt die Koordination des Projekts federführend wahr.

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